Auf in den Süden…!
Die „Unalten Landratten“ in Languedoc-Roussillon, Herbst 2015

Hausboot-Woche vom 2. bis 9. Oktober
Boot: Locaboat Pénichette 1022FB
Abfahrtsbasis:
Lattes

Ferienwohnung vom 9. bis 17. Oktober
in Roujan (Département Hérault)
Rue de la Serre

Nachdem unsere Hausboot-Fahrt im Jahr 2013, als wir es erstmals nur zu Zweit versucht haben, ganz gut über die Bühne gegangen ist, wollten wir es auch im Herbst 2015 noch einmal wissen und planten unseren Bootsurlaub, da wir erst Ende September losfahren konnten, möglichst im südlichen Frankreich, wo wir noch auf ein bisschen Sommerfeeling hoffen durften. So fiel unsere Wahl auf den Canal du Midi, wo wir bereits einmal im Jahr 2000 waren und an den wir noch viele positive Erinnerungen hatten. Natürlich wollten wir die Sache ein bisschen anders anlegen als damals und so beschlossen wir diesmal in der Locaboat-Basis in Lattes zu starten und in Form einer Einwegfahrt über den Canal du Rhône à Sète, den Étang de Thau und den Canal du Midi bis zur Basis in Argens-Minervois zu fahren. Anschließend wollten wir noch ein bisschen die Gegend mit dem Auto erkunden und mieteten uns eine Ferienwohnung in Roujan, etwa 20 Kilometer nordöstlich von Béziers.

Und hier der Bericht von unserer Urlaubsreise: 

Mittwoch, 30. September 2015
Gegen 8:00 Uhr besteigen wir unser Auto und verlassen Wien in Richtung Westen. Da wegen der aktuellen Flüchtlingsströme bei der Einreise in Bayern wieder Grenzkontrollen eingeführt wurden, die zu längeren Staus führen, verlasse ich in Salzburg die Autobahn, benutze den kleinen Grenzübergang Großgmein / Bayerisch Gmein ohne Aufenthalt und fahre dann über das „Große Deutsche Eck“ und Innsbruck bis an den Arlberg. Hier wartet das nächste Problem auf uns, da der Arlbergtunnel wegen Sanierungsarbeiten gesperrt ist und wir über die Arlberg-Passstraße ausweichen müssen. Da wir noch ziemlich früh dran sind und herrliches Wetter haben, machen wir noch einen Umweg über die Berge und fahren über den Flexenpass nach Warth, den Hochtannbergpass nach Schoppernau und über Damüls und das Furkajoch nach Feldkirch, unserem heutigen Etappenziel, wo ich im Landgasthof Schäfle bereits Quartier bestellt habe. Ankunft gegen 18:00 Uhr.


Tagesleistung: 703 Kilometer


Donnerstag, 1. Oktober 2015
Heute geht es um etwa 9:00 Uhr los bei 5° Morgentemperatur. Wir überqueren die Schweizer Grenze, fahren entlang des Bodensees, über Sankt Gallen, Zürich, Bern an den Genfersee und erreichen hinter Genf endlich Frankreich. Es ist warm geworden und hat um die 20°. Nun fahren wir in südlicher Richtung nach Grenoble, verlassen dort die Autobahn und nehmen die „Route Napoléon“ eine französische Nationalstraße, die uns auf gut 75 Kilometer über Berg und Tal zu unserem Tagesziel Gap führt, wo ich im Hotel IBIS-Gap bereits vorbestellt habe. Ankunft gegen 18:00 Uhr.Nach unserer Ankunft machen wir einen Stadtrundgang und nehmen in der netten Crèperie Diversion unser Nachtmahl ein.


Tagesleistung: 652 Kilometer


Freitag, 2. Oktober 2015

Wir starten gegen 9:00 Uhr bei einer Morgentemperatur von 9° und Regen, der jedoch nachlässt, je weiter wir nach Süden kommen. Wir erreichen bei Sisteron wieder die Autobahn und fahren über Aix-en-Provence, Arles und Nîmes bis Montpellier, wo wir die Autobahn verlassen und den kleinen Vorort Lattes suchen, der südlich der Stadt am Fluss Lez liegt. Die Bootsbasis liegt im Hafen Port Ariane, einem symmetrisch angelegten Hafenbecken, das mit den umliegenden, in den 1990er-Jahren errichteten Wohnhauskomplexen ein interessantes Ensemble bildet. Ankunft gegen 13:00 Uhr bei strahlendem Wetter und einer Temperatur von 22°.


Tagesleistung: 314 Kilometer


Da unser Boot noch nicht fertig ist, machen wir uns auf die Suche nach dem von der Basis empfohlenen Supermarkt, der aber nicht so leicht zu finden ist. Wir entdecken ihn schließlich bei der Endstation der Straßenbahn nach Montpellier und decken uns mit den Grundvorräten ein. Wieder zurück im Hafen werden die administrativen Dinge erledigt und wir können das Boot mit dem seltsamen Namen „La Criminelle“ beziehen. Der Name bezieht sich aber nicht auf eine Dame, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, sondern auf eine Schleuse gleichen Namens. Kurz darauf kommt der Instruktor, ich mache mit ihm eine Probefahrt hinaus auf den Fluss und dann haben wir Zeit uns auf dem Boot einzurichten, da wir erst am nächsten Morgen abfahren wollen. Das Boot ist eine Pénichette vom Typ 1022FB und entspricht etwa einer 1020FB, die für die Nutzung von ausschließlich 2 Personen adaptiert wurde. Das bedeutet im Vorschiff eine sehr große Schlafkabine mit einem ungewöhnlich reichen Angebot an Kästen, Laden und sonstigem Stauraum. Die anschließenden beiden Nasszellen sind vom Raumangebot nur minimalistisch ausgeführt. Im Heck befinden sich die Küche, die ziemlich klein geraten ist, und gleich gegenüber ein riesiger, kreisrunder Esstisch, der für die Zielgruppe von 2 Personen wieder maßlos übertrieben ist. Im Mittelschiff gibt’s noch eine zweite Sitzgruppe mit einem Tischchen, bei der sich die Tischoberfläche am Höhenniveau der Sitzbank befindet, was eine Nutzung stark behindert. Naja – haut einen in Summe nicht vom Stuhl, aber die eine Woche werden wir das schon packen! Wir richten uns zunächst an Bord ein und hissen unsere österreichische Flagge am Vorschiff. Am Abend machen wir eine Runde um das Hafenbecken und schauen nach den Lokalen. Die meisten sind hochpreisig und menschenleer, was uns nicht sehr einladend erscheint. Schließlich finden wir direkt neben dem Büro der Basis ein Vietnamesisches Lokal namens „Lotus“, bei dem wir schließlich einkehren und sehr fein speisen. Essstäbchen liegen am Tisch, sonstiges Essbesteck nur auf Anfrage. Erste Nacht an Bord, Regen trommelt aufs Deck…

Samstag, 3. Oktober 2015
Am Morgen weiterhin heftiger Regen. Unser Boot ist nicht ganz dicht, an zwei Stellen tropft es herein und wir müssen Plastikbehälter unterstellen. Einige Hausboote kommen im Hafen an, da sie heute ausladen und abgeben müssen. Wir können sie nur bedauern, denn sie werden triefend nass und müssen sehen, wie sie so nach Hause kommen. Das Wetter wird zusehends schlechter: Gewitter, heftige Windböen, Starkregen. An ein Auslaufen unsererseits ist nicht zu denken. Erst um etwa 10:30 Uhr reißt es etwas auf und wir versuchen abzulegen. Wir werden aber im letzten Moment mit der Information zurückgehalten, dass das Hafentor wegen Hochwasser auf dem Fluss Lez geschlossen sei. Nach Rücksprache mit dem Hafenmeister erfahre ich, dass heute auch nicht mehr geöffnet werde, weil zusätzlich der Wind schlecht stehe und das Hochwasser am Abfluss hindere. Aber morgen sollte es wieder gehen.


Das heißt also für uns warten und unsere Probleme rekapitulieren:

- 1 Tag verspätete Abfahrt wegen Hochwassers

- Hebebrücke bei Frontignian nur 2x täglich kurz geöffnet (08:30 und 16:00 Uhr)

- Überquerung des Étang de Thau für Hausboote nur bis Windstärke 3 Beaufort erlaubt

- Streik der Schleusenwärter für den 8.10. angekündigt


Am Nachmittag wird das Wetter freundlicher, wir gehen nochmals einkaufen, was wir gestern vergessen haben und warten, dass die Zeit vergeht. Am Abend besuchen wir nochmals den Vietnamesen. 


Tagesleistung: 0 Kilometer (Boot)


Sonntag, 4. Oktober 2015

Der Himmel ist heute weitgehend freundlich, aber kühl bei nur 9° und wir starten um 8:20 Uhr, da das Hafentor wieder geöffnet ist. Nach etwa 500 Metern kommen wir zur einzigen Schleuse am Fluss Lez, der so genannten „Schleuse 3“. Sie ist geschlossen und hat einen schönen Warteponton, an dem wir festmachen.
Wie wir in der Basis belehrt wurden, muss man beim Schleusenwärterhäuschen einen Knopf drücken um den Schleusenwärter zu aktivieren. Regina findet zwar einen Knopf, hält ihn aber für ein Alarmsignal, also gehe ich auf die Suche und finde den richtigen über eine Holzstiege an der Rückseite des Häuschens. Ich drücke und siehe da – das obere Schleusentor öffnet sich. Wir fahren ein und warten ohne Erfolg. Ich gehe nochmals drücken und kurz darauf erscheint der Hafenmeister von Lattes mit dem Auto. Im letzten Moment quetscht sich noch ein zweites Hausboot hinein, dessen Besatzung aber offensichtlich noch nie in einer Schleuse war…Schließlich ist es aber doch geschafft und wir fahren den Lez abwärts bis Palavas-les-Flots, wo wir auf den Canal du Rhône à Sète treffen, dem wir in westlicher Richtung folgen.  Der Kanal ist von der Breite her für Frachtschiffe ausgelegt und führt meist schnurgerade, parallel zur Meeresküste zwischen den Lagunenseen dahin, von denen er oft nur durch einen schmalen Damm getrennt ist. Es ist sehr viel Natur zu sehen, vor allem Wasservögel, wie Flamingos, Kormorane und Reiher. Die absolut flache Landschaft ist natürlich stark dem Wind ausgesetzt, der aber zum Glück heute Sendepause hat. 


Gegen 10:00 Uhr erreichen wir Maguelone, wo wir eine seltsame Kanalbrücke passieren müssen: die Brücke verfügt nämlich über einen beweglichen Schwimmteil, der vom Brückenwärter von einem Steuerstand mit Motor einfach weggeschwenkt werden kann, wenn sich ein Boot/Schiff per Hupsignal meldet. Wir passieren die Brücke und suchen danach einen Liegeplatz, weil wir die Kathedrale von Maguelone besuchen wollen, die auf der einsamen Insel im Lagunensee liegt, wohin die Brücke eigentlich führt. Aber es bietet sich eigentlich nichts an, da überall schräge Böschungen vorhanden sind, die im Wasser mit großen Schwimmfendern abgesichert sind. Vielleicht was für die Großen, aber wir kommen da nicht an Land und fahren weiter. 40 Minuten später finden wir bei Aresquiers auf einigen Metern senkrechte Uferbefestigungen, die sogar mit Pollern ausgestattet sind. Also schlagen wir schnell zu und machen für eine größere Pause fest, denn die bevorstehende Hebebrücke von Frontignan öffnet ja erst um 16:00 Uhr und es hat angenehme 18°.

Während der Pause stellen wir fest, dass wir kein Warmwasser mehr haben und auch die Heizung nicht mehr funktioniert. Also machen wir eine telefonische Schadensmeldung am Anrufbeantworter der Bootsbasis in Lattes. 


Kurz nach 14:00 Uhr haben wir genug pausiert, legen wieder ab und machen uns auf die letzten Kilometer nach Frontignian. Nun meldet sich telefonisch der Locaboat-Techniker, hinterfragt den Schaden sowie unsere Position und verspricht seinen Besuch in Frontignan, wo wir ja die Nacht verbringen wollen. Um etwa 15:00 Uhr erreichen wir den Ort und legen knapp vor der Hebebrücke an, wo wir einen brauchbaren Liegeplatz finden. Ich gehe kurz die Lage peilen und schaue mir die Hebebrücke und das dahinter liegende Hafenbecken an, wo wir übernachten wollen.  Um 15:30 Uhr fährt der Techniker vor und macht sich an die Arbeit. Um zum Heizaggregat und zur Stromversorgung vorzudringen, muss er zuerst die komplette Einrichtung im Mittelschiff entfernen und die Öffnungen in den Bodenbrettern freilegen. Dadurch ist Regina im Vorschiff bis auf weiteres inhaftiert, ich selbst bleibe im Heckbereich. Um 16:00 Uhr öffnet pünktlich die Hebebrücke, unser Boot ist aber nicht fahrbereit und so beschließen wir am aktuellen Liegeplatz zu übernachten und erst am nächsten Morgen die Brücke zu passieren. 


Der Techniker kann den Fehler zunächst nicht finden und beschließt nach Rücksprache mit seinem Chef das Heizaggregat zu tauschen, das er aber erst aus der Heimatbasis holen muss. Um 17:45 Uhr verlässt uns der Techniker und verspricht noch am Abend wieder zu kommen. Um 19:00 Uhr steht er vor der Tür, reißt wieder alles auf und tauscht das Aggregat gegen das von ihm mitgebrachte. Aber leider, auch dann funktioniert die Heizung noch immer nicht! Nach weiteren langwierigen Analysearbeiten scheint das Problem sich aber doch langsam zu klären: der Wechselrichter, ein Gerät, das den 12 V-Bordstrom auf 220 V transformiert und damit das Heizungsaggregat versorgt, scheint kaputt zu sein. Ein Austausch ist heute aber nicht mehr möglich. Als Zwischenlösung muss er das Aggregat mit Landstrom speisen und nachdem wir an diesem Liegeplatz keinen Stromanschluss haben, findet er in der Nähe einen öffentlichen Schaltkasten, der nicht versperrt ist. Um 21:00 Uhr verlässt er uns wieder mit wohlig warmen Heizkörpern und verspricht am nächsten Tag eine definitive Fehlerbehebung an unserem kommenden Nächtigungspunkt, den wir in Agde geplant haben.


Tagesleistung: 22 Kilometer (Boot)


Montag, 5. Oktober 2015

 Am nächsten Tag stehe ich schon im Morgengrauen auf und entferne den improvisierten Landanschluss, denn es muss ja keiner sehen, dass wir den Strom geklaut haben. Die Brücke hebt sich pünktlich um 08:30 Uhr, wir passieren Frontignan und fahren die letzten Kilometer bis zur Einmündung in den Étang de Thau. Das Wetter ist trüb, aber relativ windstill, was für die Überquerung des Sees eine Voraussetzung darstellt. Schon am Vortag haben wir über unser Tablett mit Internet-Zugang die Windvorhersage unter http://de.windfinder.com/forecast/etang_de_thau_meze abgefragt und dabei festgestellt, dass am Vormittag die Windgeschwindigkeit den Grenzwert von 10 Knoten (entspricht etwa 20 km/h oder 3 Beaufort) nicht überschreiten wird, gegen Nachmittag soll sie zunehmen. Obwohl die Markierung der Fahrstraße am See durch Bojen sehr minimalistisch gehalten ist, gelingt die Orientierung doch ganz leicht, indem wir uns stets entlang der Austernbänke am nördlichen Ufer halten. Ein Zwischenstopp in Mèze oder Marseillan steht nicht zur Diskussion, da sich das Wetter ja verschlechtern soll. Nach etwa 1,5 Stunden haben wir den See überquert und erreichen beim Leuchtturm von Les Onglous den Canal du Midi.  Wir passieren bald darauf die Schleuse Bagnas und erreichen gegen 12:00 Uhr die Rundschleuse von Agde, die wir noch vor der Mittagspause der Schleusenwärter (12:30 bis 13:30 Uhr) passieren können. Die anschließenden Liegeplätze sowie das Hafenbecken von Agde sind völlig überbelegt, sodass wir keinen Anlegeplatz finden. 


Es fallen uns nicht nur hier immer wieder Boote auf, die absolut fahruntauglich wirken oder sogar bereits auf Grund liegen. Diese verstellen sehr viele Liegeplätze und sollten von der französischen Wasserstraßenverwaltung VNF eigentlich auf Kosten der Besitzer entfernt werden. Jedenfalls pfeifen wir hier auf einen Aufenthalt und fahren weiter – es ist ja erst Mittag! Wir passieren das Sperrtor des Flüsschens Libron und erreichen gegen 13:20 Uhr Port Cassafières, wo sich eine Basis der Hausboot-Firma Le Boat befindet. Ich fahre in den Hafen hinein, mache provisorisch fest und gehe ins Büro um nachzufragen, ob ich mit einem Boot der Konkurrenzmarke hier über Nacht bleiben darf. Sie haben zwar heute noch eine Menge Boote abzufertigen, sind aber durchaus freundlich, weisen uns einen Platz im hinteren Teil des Hafenbeckens zu und erlauben uns sogar Wasser- und Stromanschluss ohne dafür auch nur einen Cent zu verlangen. Wir verlegen an den zugewiesenen Platz und erhalten von der Heimatbasis einen Anruf um zu erfahren, wo uns der Techniker erreichen kann. Es herrscht freundliches Wetter mit 22°.


Tagesleistung: 42 Kilometer (Boot)


Gegen 19:00 Uhr kommt der Techniker schließlich angefahren und braucht rund eine Stunde um den neuen Wechselrichter einzubauen. Danach funktioniert unser Boot wieder wie vorgesehen und wir gehen ins Restaurant der Basis „Au Rendez-vous des Bateliers“ um den Frust der vergangenen Tage endgültig hinunter zu spülen. Es gibt „Pizza Regina“ und „Pizza Chef“ – wie gemacht für uns! Während wir auf das Essen warten, sehen wir etwas entfernt im französischen Fernsehen einen Bericht über ein schweres Unwetter in Nizza und wir erfahren auf Nachfrage, dass dieses genau am Samstag stattgefunden hat, wo wir nicht auslaufen konnten. Es hätte uns also auch noch stärker treffen können. Naja, Glück muss man haben!

Dienstag, 6. Oktober 2015
In der Nacht regnet es wieder einmal, aber am Morgen ist es von oben trocken bei 18 °. Wir verlassen Port Cassafières um 08:45 Uhr und fahren Richtung Portiragnes, wo sich die erste Schleuse des Tages befindet. Dort stauen sich noch die Boote, die hier übernachtet haben und wir müssen eine halbe Stunde warten. Da sehr viele Neulinge hier ihre ersten Schleusenerfahrungen machen, ist die Wartezeit aber sehr kurzweilig. Kurz vor 10:00 Uhr sind wir dann durch und fahren weiter zur nächsten Schleuse in Villeneuve-lès-Béziers, wo wiederum das gleiche Procedere stattfindet. Schön langsam bilden sich Pakete von bestimmten Booten, die immer miteinander schleusen und beginnen auch untereinander Kontakt aufzunehmen. Bei der unteren Hafenschleuse von Béziers passen wir als drittes Boot gerade noch hinein und benutzen wegen der größeren Hubhöhe von 4,30 Meter die dort eingebauten Pollerstangen zum Festmachen des Bootes. Schon fast oben angekommen, verklemmt sich meine Leine im oberen Stangenverbau und das Boot liegt schon ganz schief, bis uns der Schleusenwärter mit dem Messer von unserer Leine befreit – Stress pur! 
Nach der Ausfahrt beginnt die Mittagspause der Schleusenwärter und wir machen im Hafenbecken von Béziers ebenfalls einen Mittagstisch, den wir angesichts des sonnigen Wetters an Deck einnehmen. Besorgte Bootsnachbarn kommen vorbei und fragen nach, ob bei unserem Leinenproblem etwas passiert sei. Es hat aber zum Glück außer Nerven nichts gekostet, denn wir haben ja das All Inclusive-Paket gebucht ;-)) 
Um 13:30 Uhr fahren wir weiter und passieren die obere Schleuse von Béziers, die ebenfalls mit Pollerstangen ausgerüstet ist. Diesmal passe ich aber sehr genau auf, dass nichts passiert. Danach queren wir auf einer Kanalbrücke den Fluss Orb und erreichen um 14:00 Uhr den Wartebereich vor der Schleusentreppe von Fonserannes.
Hier machen wir fest und haben eine Wartezeit von 2 Stunden vor uns, da die Bergschleusung am Nachmittag erst von 16:00 bis 18:00 Uhr stattfindet. Wir haben in der Warteschlange die Nummer 9 und schauen zu, wie die Boote in der Gegenrichtung paketweise abgeschleust werden. Es hat in der Sonne 35° und wir packen erstmals den Sonnenschirm aus. Um unsere vierte (abgeschnittene) Leine wieder in Gang zu setzen, grüble ich ein bisschen in meinem Handbuch und verbinde die beiden Leinenreste schließlich mit einem Kreuzknoten. Die freien Enden sichere ich mit einem Kraftklebeband, das immer zur Standardausrüstung bei unseren Hausbootfahrten gehört. Um 16:00 Uhr geht’s dann in unserer Richtung los. Die ersten paar Boote sind schon unterwegs und wir treiben in Warteposition vor der Einfahrt. Aber wir bekommen kein Grünsignal, stattdessen wird uns um 17:00 Uhr eine Hotelpéniche vorgezogen. Dann geht’s aber endlich los und wir dürfen in die eindrucksvolle Schleusentreppe einfahren, die in 7 Schleusenkammern eine Höhe von 13,6 Metern überwindet. Hier besteht die von mir reparierte Leine ihre erste Bewährungsprobe. Oberhalb der Schleuse angekommen, lassen wir den Wartebereich für die Abwärtsschleuser der nächsten Frühschicht frei und suchen uns gleich danach einen Liegeplatz im Grünen. Ankunft gegen 18:00 Uhr.


Tagesleistung: 16 Kilometer (Boot)


Nach Einbruch der Dunkelheit kommt noch eine Hotelpéniche an uns vorbei und verscheucht mühsam die Freizeitboote, die am für sie reservierten Anlegeplatz unerlaubt festgemacht haben. 

Mittwoch, 7. Oktober 2015
Heute hat es eine Morgentemperatur von 14° und es ist windig geworden. Wir starten gegen 08:30 Uhr und begegnen bald am Kanalufer einem heftig lodernden Feuer.  Es hat seine Ursache im Platanensterben entlang des Kanals. Diese mehrere hundert Jahre alten Baumalleen, die das Bild des Canal du Midi so eindrucksvoll geprägt haben, werden durch eine Pilzkrankheit befallen, die den Stamm aushöhlt und müssen aus Sicherheitsgründen sukzessive umgeschnitten werden. Da die Reste der gefällten Bäume für die noch gesunden sehr ansteckend sind, wird das Holz gleich verbrannt und die Arbeitsgeräte penibel desinfiziert. Auch die Boote am Kanal sollten die Bäume nicht mehr zum Festmachen verwenden, da die Ansteckung auch so übertragen werden kann. Die französische Wasserstraßenverwaltung VNF setzt ein Projekt zur Neubepflanzung des Kanals durch resistente Platanen und anderen Baumarten um. Es sind aber in Summe 42.000 Bäume, die entlang des Kanals ersetzt werden müssen!

Hier befinden wir uns auf einem Kanalabschnitt von rund 50 Kilometern Länge, die ganz ohne Schleusen auskommt, weil der geniale Erbauer des Kanals, Pierre-Paul Riquet, den Kanal genau an den Höhenlinien der Landschaft führte und so keine Höhendifferenz ausgleichen musste. Nicht umsonst ist das Bauwerk heute UNESCO-Welterbe. Wir passieren den Ort Colombiers und stoßen plötzlich auf ein Baggerschiff, das bei seiner Arbeit den Kanal sperrt. Wir müssen etwa 15 Minuten warten, dann macht er ein bisschen Platz. Um an ihm vorbeizukommen müssen wir unter den tief hängenden Baumästen durchfahren, was zu einem Abknicken unseres Sonnenschirmständers führt – aber wir haben ja das All-Inclusive-Paket! Kurz danach fahren wir durch den Tunnel von Malpas. 
Gegen 10:45 Uhr erreichen wir Capestang, wo wir einen brauchbaren Liegeplatz finden und machen hier fest. Sehr eindrucksvoll ist der Blick vom Kanal auf den tiefer liegenden Ort mit seiner überdimensional großen Kirche. 


Wir gehen hinunter in den Ort, machen einen Stadtrundgang, besichtigen die Kirche und kaufen ein paar Baguettes ein. Vor der Kirche findet ein Wochenmarkt statt, im angrenzenden Lokal Café de la Grille kehren wir zu einem Mittagsmahl ein.
Um 14:00 Uhr legen wir von Capestang ab und erreichen gegen 16:00 Uhr den Ort Argeliers, wo wir von unserer Hausbootfahrt im Jahr 2000 das direkt am Kanal liegende Restaurant "Le Chat Qui Pêche" (Zur fischenden Katze) in bester Erinnerung haben. Wir vermeiden die für Ausflugsboote reservierten Anleger und quetschen uns dank unseres Bugstrahlruders gerade noch zwischen zwei andere Boote hinein. Hier wollen wir über Nacht bleiben.
Das Restaurant hat bereits Saisonsperre, verweist mit einer Hinweistafel allerdings auf einen Burger-Food-Truck am nahen Minigolfplatz. Aber der ist nicht sehr einladend und wir speisen an Bord. Interessant sind die Schwärme von Dohlen, die hier ihre Flugkünste zeigen und offenbar in den hier noch existenten Platanenkronen nisten. Der Abend ist sternenklar bei 18°.


Tagesleistung: 34 Kilometer (Boot)


Donnerstag, 8. Oktober 2015
Heute gehen wir es gemütlich an und starten erst um 9:30 Uhr. Es ist sonnig bei 14° Morgentemperatur. Der Wind ist unangenehm und kommt genau dann auf uns zu, wenn wir auf der kurvenreichen Strecke nach Nordwesten fahren. Wir passieren die Abzweigung des Canal de la Robine, der nach Narbonne führt. Um 11:15 Uhr erreichen wir den Ort Le Somail, wo wir eine Pause einlegen wollen. Im ersten Versuch findet sich kein Liegeplatz, also mache ich nochmals eine Wende und wir finden direkt vor der berühmten Brücke einen freien Platz, der sich unter Freihaltung einer Wasserentnahmestelle gerade noch für uns eignet. Ein Poller vorne, ein Nagel hinten und schon sind wir zufrieden. Wir machen einen kleinen Rundgang durch den Ort und stoßen dort auf das Tourismusbüro. Angesichts der Tatsache, dass heute der angekündigte Streiktag der Schleusenwärter ist und wir eigentlich noch die letzte Schleuse vor der Zielbasis passieren sollten, möchte ich nun wissen, was wirklich Sache ist. Ich finde eine sehr hilfreiche Dame, die nichts von einem Streik weiß, aber sofort im Internet recherchiert und den Bürgermeister des Schleusenortes anruft. Sie findet schließlich heraus, dass im Bereich des Canal du Midi lediglich einige Schleusen knapp vor Toulouse betroffen sind, allerdings auch jene am Verbindungskanal nach Narbonne. Das sind zwar automatische Schleusen, aber die haben nicht nur Mittagspause, sondern können sogar streiken. 
Auch wir machen anschließend Mittagspause im netten Restaurant Auberge du Somail, das direkt am Kanal gelegen ist und genießen die Sonne im Garten. Attraktion des Hauses ist eine junge Gans, die offenbar per Hand aufgezogen wurde und furchtlos unter den Tischen der Gäste herumläuft. 
Um etwa 14:00 Uhr legen wir ab, passieren die letzte Schleuse und machen gegen 16:00 Uhr im Hafenbecken von Argens-Minervois fest. Das rückwärts anlegen macht natürlich wieder Schwierigkeiten, weil der Wind querab weht, aber wir bekommen Hilfe von einem Bootsnachbarn, der beim Festmachen hilft.


Tagesleistung: 20 Kilometer (Boot)


Wir machen noch eine kleine Runde durch den Ort, dann kehren wir wieder an Bord zurück und holen unsere Flagge ein. Danach ist Packen angesagt und Aufessen unserer verderblichen Lebensmittelvorräte, die wir nicht in der mitgebrachten Kühltasche in die Ferienwohnung mitnehmen wollen. 
Letzte Nacht an Bord…

Freitag, 9. Oktober 2015
Heute stehen wir schon beim ersten Tageslicht auf, damit wir rechtzeitig das Boot übergeben können. Nach 08:00 Uhr bringe ich die Kapitänstasche ins Büro, eine halbe Stunde später kommt der Techniker zu einer kleinen Inspektion. Ich beichte meine beiden Sachschäden, aber es ist ja All-Inclusive. Um 09:00 Uhr muss das Boot von all unseren Gepäckstücken befreit sein und so räumen wir alles auf den Kai und warten auf das Taxi, das uns zurück nach Lattes bringen soll, wo unser Auto wartet. 
Um 09:30 Uhr geht’s los und eine gute Stunde später sind wir schon am Zielort. Wir laden das Gepäck um und besuchen nochmals das Büro in Lattes um uns zu verabschieden. 
Um etwa 11:15 Uhr steigen wir ins eigene Auto und machen uns auf die Suche nach unserer Ferienwohnung, die uns für die kommende Woche Unterschlupf bieten soll. Wir fahren über Montpellier, Béziers und Pézenas und gelangen gegen 12:00 Uhr nach Roujan, wo das Haus ziemlich im Ortszentrum, in einem nach außen abgeschirmten Innenhof liegt. Wir werden vom Vermieter freundlich empfangen und in die Geheimnisse des Hauses eingeweiht. Die Wohnung ist für maximal 10 Personen ausgelegt, in der Nachsaison haben wir aber ein Arrangement für Zwei. Es besteht aus einem großen Wohnraum mit Küche, Speisetisch und Sitzcouch im Erdgeschoß und 3 Schlafzimmern und Bad im Obergeschoß. Küche toll ausgestattet, TV mit großem Flachbildschirm, Holzkamin, WLAN, überdachter Autoabstellplatz. Im Hof ein großer Pool mit Sitzplatz und Sonnenliegen. Hier lässt sich’s aushalten. Wir machen einen kleinen Rundgang durch den Ort, dann fahren wir mit dem Auto zum nahe gelegenen Supermarkt, wo wir uns mit den erforderlichen Lebensmitteln eindecken. Da das Wetter freundlich ist, setzen wir uns noch ein bisschen an den Pool. Das Wasser lädt nicht mehr zum Baden ein, aber in der Sonne sitzen ist super. 


Tagesleistung: 74 Kilometer


Dann wird es aber frisch und wir richten uns einmal im Hause ein.
Als Regina am späteren Abend das Badezimmer betritt, steht sie in einer großen Wasserlacke. Die Mischarmatur des Waschtisches ist undicht. Da der Wasseraustritt aber nur in einer bestimmten Position des Mischarmes erfolgt, legen wir den Sumpf mit vorhandenen Werkzeugen trocken und verschieben die Meldung an unseren Vermieter auf den Folgetag.

Samstag, 10. Oktober 2015
Ich verständigen Christian, unseren Vermieter, über den Wasseraustritt am Vorabend. Der zeigt sich darüber entsetzt und verspricht die Armatur im Laufe des Tages auszutauschen.
Heute ist herrliches Wetter bei 10° Morgentemperatur und wir wollen die Gelegenheit nutzen ins „Pays de Cathare“ zu fahren und uns die vielen Burgen anzusehen, die dort im Zuge der Katharerkriege und danach errichtet worden sind. Um 08:50 ziehen wir los und nehmen einmal die Autobahn nach Narbonne. Südlich davon schwenken wir in die Landschaft der „Corbières“ ein. Eine Burg jagt die andere:
- Burg Durban in Durban-Corbières
- Burg Aguilar in Tuchan
- Burg Padern in Padern
- Burg Quéribus in Cucugnan
- Burg Peyrepertuse in Duilhac-sous-Peyrepertuse

Die letztere wollen wir auch besteigen und fahren auf den Parkplatz hinauf, wo sich das Kassenhäuschen befindet. Dort zahlen wir gegen 11:40 Uhr unseren Eintritt, nehmen einen Audioguide und machen uns an den mühevollen Aufstieg, der stellenweise so ausgesetzt ist, dass er bei Wind und Schlechtwetter gesperrt werden muss. Nach einer guten halben Stunde sind wir bei der unteren Burg angekommen, die wir entsprechend unserem Guide besichtigen. Dann aber geht’s erst zur Oberburg und der Weg wird nicht einfacher. Dafür lohnt aber der herrliche Ausblick die Mühen des Aufstieges. Auch der Abstieg ist spannend und nach insgesamt rund 2 Stunden wieder unten angekommen, müssen wir uns erst einmal erfrischen, bevor wir wieder ins Auto steigen.  

Weiter geht die Fahrt über einsame Bergstraßen und wir erreichen gegen 16:00 Uhr die Abbaye Fontfroide. Irgendwie bin ich schön müde und möchte auf die Besichtigung verzichten, aber Regina ruft mich zur Ordnung und es wäre ewig schade gewesen die interessante Abtei nicht zu besuchen. Danach nehmen wir noch ein Eis im Innenhof und genießen die Sonne bei etwa 25°.Anschließend geht’s zurück nach Roujan, wo wir gegen 18:30 Uhr eintreffen.

 
Die Badezimmerarmatur ist getauscht und dicht.


Tagesleistung: 297 Kilometer


Sonntag, 11. Oktober 2015

Unser heutiger Ausflug führt in nördlicher Richtung. Wir fahren bei 12° Morgentemperatur ab, nehmen die Autobahn nach Clermont-l’Hérault,
zweigen dann Richtung Montpellier ab und fahren bei Gignac in die Berge, wo wir bald den Ort Saint-Guilhem-le-Désert erreichen. Der Hérault bildet dort eine enge Schlucht, die unter dem Namen „Gorges de l’Hérault“ bekannt ist. Das Dorf und Kloster bilden mit ihrem mittelalterlichen Ensemble eine große Touristenattraktion in der Hauptreisezeit. Zum unserem Glück können wir den Ort in großer Ruhe genießen. Zu Mittag stärken wir uns am Hauptplatz im urigen Restaurant „Le Logis des Pénitents“ mit Galettes und Cidre. 
Um 12:30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg und fahren nach Clermont-l’Hérault zurück. Westlich dieser Stadt liegt der Stausee Lac du Salagou, der für seine roten Gesteinsformationen bekannt ist, die auf die eisenhaltige Bodenbeschaffenheit zurückzuführen sind. Wir besuchen um etwa 13:20 Uhr den Ort Celles, der bei der Errichtung des Stausees Ende der 1950er-Jahre wegen der zu erwartenden Überflutung geräumt wurde. Dies stellte sich leider als Vermessungsfehler heraus und so kann man heute noch das verlassene Dorf besichtigen. Im Umland hat sich ein Platz zum Fischen, Picknicken und Baden entwickelt.


Unser weiterer Tagesablauf führt uns südlich des Sees zum Ort Mourèze, wo es das Felsenmeer „Cirque de Mourèze“ - steile Felswände aus malerischen Kalksteinfelsen - zu bewundern gilt. Wir kommen gegen 14:30 Uhr an, ich hole mir eine Wanderkarte im Tourismusbüro beim Parkplatz, schnappe die Teleskopwanderstöcke aus dem Auto und mache mich mit Regina auf den Weg, die kleine Rundtour zu durchwandern. Einfach ist die Sache nicht, denn es handelt sich bald um keinen Weg mehr, sondern bestenfalls um einen Gebirgssteig, der ständig sein Antlitz ändert: einmal ganz eng und steil zwischen den Felsklippen, dann wieder eben mit herrlicher Aussicht. Wir brauchen etwa 1,5 Stunden um den Weg zu absolvieren, nehmen dann noch einen Drink im Dorf und kehren zum Parkplatz zurück. Um 16:30 Uhr machen wir uns auf die letzte Wegstrecke, die uns wieder zu unserer Ferienwohnung in Roujan führt. 


Tagesleistung: 105 Kilometer


Aber wir haben heute noch andere Themen, denn in unserer Heimatstadt Wien waren an diesem Tag Gemeinderatswahlen, deren Ergebnisse wir natürlich unbedingt verfolgen wollen. Wir selbst haben schon vor der Abreise per Briefwahl unsere Stimmen abgegeben, aber jetzt wird es spannend. Zwar bietet der vorhandene Fernsehapparat alle möglichen deutschen Kanäle an, den ORF aber nicht. Aber es gibt ja zum Glück WLAN, über das wir mit dem Tablett das Fernsehprogramm via Internet-Streaming verfolgen können.

Montag, 12. Oktober 2015
Heute Morgen ist es trüb und feucht bei etwa 15° und wir beschließen den Tag etwas ruhiger abzuwickeln. Wir fahren erst gegen 10:20 Uhr los, tanken unser Fahrzeug auf und fahren zur nächst größeren Stadt Pézenas, die nur etwa 10 Kilometer entfernt liegt. Immer wieder fahren wir diese fast schnurgerade, von einer Platanenallee gesäumte Straßenverbindung, weil wir dort den Anschluss an das höherrangige Straßennetz für unsere Ausflüge finden. Und meistens fahren wir gegen die tief stehende Sonne, am Morgen Richtung Osten, am Abend Richtung Westen. Aber heute ist die Sonne nicht zu sehen und wir wollen die Stadt Pézenas einmal aus der Nähe sehen. Nach einigem Suchen finden wir in der Innenstadt einen Parkplatz gegen Gebühr, der direkt neben einem Schulkomplex liegt. Von dort sind wir in wenigen Minuten im Stadtzentrum. Pézenas ist eine beschauliche Kleinstadt mit großer Geschichte. Prachtvolle Stadtpaläste und vornehme Bürgerhäuser aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert zeugen noch heute vom Glanz früherer Zeiten, als z.B. Molière mit seinen Schauspielern hier gastierte. Die Kirche Saint-Jean ist leider geschlossen. Wir erledigen einen Einkauf in der Bäckerei, besuchen das Postamt und kehren dann im gleich daneben liegenden Restaurant „Le Yacca“ zum Mittagessen ein.


Gegen 13:30 Uhr fahren wir wieder ab und kehren über kleine Nebenstraßen in einem Kreisbogen wieder nach Roujan zurück. Was bei den Ortsdurchfahrten immer wieder auffällt, sind die einfallsreichen Methoden der Temporeduktion: immer wieder unangenehme Straßenschwellen, künstliche Fahrbahneinengungen, unbegründete Stopp-Tafeln und jede Menge Kreisverkehre. Ganz schön anstrengend! Wir sind kurz nach 15:00 Uhr wieder daheim und gönnen uns eine angenehme Jause mit Kaffee und Kuchen. Im Laufe des Nachmittags erscheint unser Vermieter Christian mit einem Arm voll Brennholz und macht mit mir eine Einschulung zum Anheizen des Kamins. Dieser funktioniert prächtig und strahlt eine angenehme Wärme ab, die bis in das darüber liegende Schlafzimmer reicht.


Tagesleistung: 74 Kilometer


Dienstag, 13. Oktober 2015

Na, ein bisschen besser ist das Wetter heute doch geworden, es ist wolkig bei etwa 14°. Wir starten gegen 9:30 Uhr, fahren zuerst Richtung Béziers und folgen dann dem Canal du Midi gegen Westen. Nach Homps zweigen wir ab und erreichen bei Villeneuve-Minervois die Bergkette der „Montagne Noire“. 
Hier folgen wir einer kleinen Bergstraße, die uns zu einer Riesenhöhle führt, den Gouffre Géant de Cabrespine. Wir treffen gegen 10:15 Uhr ein und haben das Glück bereits 15 Minuten später in die Höhle eintreten zu dürfen. Sie hat so gewaltige Ausmaße, dass der Eiffelturm von Paris hier drinnen Platz hätte. Es gibt zunächst ein Spektakel mit Licht- und Toneffekten, dann kann man selbständig die verschiedenen Attraktionen wie z.B. Tropfsteinformationen etc. abgehen. Überall gibt es Ansagegräte, die auf Knopfdruck in der gewünschten Sprache Informationen geben. Hochinteressant! Nach der Besichtigung besuchen wir die gut sortierte Boutique im Foyer und kaufen ein paar Mitbringsel für unsere Lieben.
Gegen 11:30 Uhr geht’s wieder weiter und wir fahren die kleine Bergstraße weiter aufwärts bis Pradelles-Cabardès, wo wir schon fast an die Wolkendecke anstoßen. Aber dann halten wir uns wieder bergab und fahren über eine noch kleinere Bergstraße ins benachbarte Tal. Eine sehr reizvolle Strecke, wo wir immer wieder auf pittoreske Dörfchen treffen. Und als wir wieder in die Zivilisation kommen, treffen wir gegen 12:00 Uhr auf den Ort Lastours, der berühmt für seine Katharerburg mit 4 Türmen oberhalb der Stadt ist. 


Vom Parkplatz im Ort ist nur ein Turm zu sehen, der Aufstieg zu mühsam und so fahren wir zum Campingplatz „Bellevue“ weiter, wo es einen wunderbaren Aussichtsplatz vom Gegenhang auf die gesamte Burganlage gibt. Hier werden in der Saison auch abendliche Spektakel vor Publikum abgehalten.
Dann geht’s wieder weiter, wir machen noch einen kurzen Rundgang in Conques-sur-Orbiel und fahren schließlich zum Abschluss nach Carcassone, wo wir die Festungsstadt, die wir schon kennen, wieder einmal besuchen wollen. Parkplatz gibt’s genug und zunächst muss der Hunger gestillt werden. Der Tradition entsprechend wagen wir uns im Restaurant „L’Écu d’Or“ über ein Cassoulet, einen regionalen Bohneneintopf, der üppig mit Gefügel, Wurst und Schweinebauch versehen ist. Dann noch einen Rundgang durch die wunderbare Stadt und kurz nach 16:00 Uhr geht’s wieder heimwärts nach Roujan, das wir gegen 17:30 Uhr erreichen.


Tagesleistung: 273 Kilometer


Mittwoch, 14. Oktober 2015

Am nächsten Morgen haben wir nur noch 11°, dafür strahlenden Sonnenschein. Wir fahren gegen 09:00 Uhr los und beginnen den Tag gleich mit einem Tankstopp, der sehr bequem bei einer Selbstbedienungstankstelle beim Supermarkt in Roujan abgewickelt werden kann.  Wir haben nämlich einen größeren Ausflug vor, der uns in die Petite Camargue führen soll. Zunächst geht’s auf der Autobahn bis knapp vor Nîmes, dann zweigen wir ab und besuchen den Ort Saint-Gilles, wo wir gegen 11:00 Uhr ankommen. Wir besichtigen die romanische Abteikirche aus dem 12. Jahrhundert mit der interessanten Krypta und fahren etwa 1 Stunde später weiter in die Naturlandschaft der Kleinen Camargue. Die Strecke führt auf einer schmalen Straße zwischen den Lagunenseen dahin und wir kommen schließlich bei „Les Iscles“ zum Naturschutzgebiet Scamandre. Hier legen wir gegen 12:30 Uhr einen Halt ein um einen kleinen Rundgang zu machen. Das Informationszentrum ist zwar geschlossen, dafür liegen vor dem Haus Pläne der Besichtigungstouren auf, die man mitnehmen und nach Gebrauch einfach wieder zurückgeben soll. Wir machen die kleine Runde von 45 Minuten und sehen Biber, jede Menge Wasservögel und Eidechsen auf unserem Rundgang. 


Um 13:15 Uhr fahren wir weiter und sind in 20 Minuten bereits in Aigues-Mortes, wo wir die Stadt besichtigen wollen. Es ist aber gerade ein Fest im Gange, vor der Stadtmauer ist ein Rummelplatz in Betrieb und Parkplätze sind Mangelware. Aber dann geraten wir durch Zufall auf die Rückseite der Stadt, wo wir locker den Wagen parken können und daneben auch noch ein Stadttor haben, durch das wir von hinten die Stadt betreten können. Auch am Hauptplatz ist großes Remmi-Demmi und wir sehen viele Leute mit bunter Haartracht und Kleidung, offenbar wird hier zum Spaß mit Farbbeuteln geworfen. Da wollen wir aber nicht mitspielen und wir ziehen uns in die „Brasserie I Trulli“ zum Mittagsmahl zurück. 
Nach dem Essen machen wir noch einen Rundgang durch die interessante Festungsstadt und fahren gegen 15:00 Uhr weiter. Es hat angenehme 23°. Wir halten uns jetzt immer an der Küste des Mittelmeeres entlang und erreichen bald die Stadt La Grande-Motte, die durch die pyramidenförmigen Gebäude des Architekten Jean Balladur aus den 1960er und 1970er-Jahren nicht zu übersehen ist. Ist zwar nicht mein Geschmack, aber das ist Ansichtssache. 


Kurz danach machen wir an der Küstenstraße einen kleinen Strandbesuch und erreichen um etwa 16:15 Uhr den Ort Villeneuve-lès-Maguelone, wo wir spontan entscheiden, die Kathedrale von Maguelone, die uns auf der Hausbootfahrt verwehrt war, nun mit dem Auto zu erkunden. Wir fahren also hinaus bis zu der berühmten schwenkbaren Kanalbrücke, wo sich ein Parkplatz befindet. Dort stellen wir das Auto ab, überqueren die besagte Brücke und stehen vor dem großen Eingangstor, das allerdings versperrt ist. Besucher müssen am Ufer die Insel umrunden und von der anderen Seite das Areal betreten. Also machen wir uns auf den Weg, wobei uns der heftige Wind ganz schön zusetzt. Dafür werden wir von einer Flamingokolonie entschädigt, die ganz nahe zu sehen ist und sich auch durch Zuschauer nicht stören lässt. Die Kirche ist sehr interessant, war sie doch in dieser abgeschiedenen Lage tatsächlich ein Bischofssitz, der weit in die Geschichte zurückreicht.
Um 17:15 Uhr haben wir die Brücke wieder passiert, besteigen das Auto und fahren schnellstmöglich nach Roujan zurück, wo wir gegen 18:30 Uhr einlangen.


Tagesleistung: 282 Kilometer


Der Abend ist schon eher kühl in unserem Sommerhäuschen. Wir haben im Wohnraum zwar eine Klimaanlage, die auch heizen kann, aber das Kaminfeuer hat mir doch sehr gefallen. Ich gehe in die Garage Brennholz holen, aber der Kamin gehorcht offenbar nur seinem Herrchen und das Holz will trotz mehrerer Versuche bei mir nicht anbrennen. 

Donnerstag, 15. Oktober 2015
Heute wird es noch kälter: der Tag erwartet uns mit einer Morgentemperatur von 9°, aber es scheint die Sonne! Wir wollen heute in die Berge der südlichen Cevennen-Ausläufer, da wird’s wohl nicht wärmer werden.
Wir starten gegen 08:50 Uhr und fahren auf der Autobahn in nördlicher Richtung bis Lodève, wo wir auf eine kleine Straße abzweigen, die uns in die Berge führt.  Schon bald erreichen wir eine faszinierende Landschaft auf einem Kalkhochplateau, wo unser Temperaturfühler um die 3° herumpendelt. Doch plötzlich ist das Plateau wie abgeschnitten und wir stehen gegen 10:00 Uhr bei La Baume-Auriol am Abgrund einer tiefen Schlucht, die der Fluss Vis in das Kalkgestein gegraben hat. Und tief unten im Talgrund sieht man den Ort Navacelles an einer ehemaligen Flussschleife liegen, die der Fluss aber nicht mehr bedient, weil er an der Engstelle über einen Wasserfall durchgebrochen ist. Das ganze nennt sich „Cirque de Navacelles“ und bietet einen unglaublichen Anblick. Nun fahren wir über eine extrem enge Straße quer zum Abbruch hinunter ins Dorf und hoffen inständig, dass wir dabei auf keinen Gegenverkehr treffen, vor allem keinen Campingbus! Unten machen wir einen Rundgang zum Wasserfall sowie durch das kleine Dorf und sind auch aus dieser Perspektive von der atemberaubenden Landschaft hingerissen. Aus den Bergen drängen dunkle Wolken und es sind bereits Regenbogen zu sehen, also brechen wir gegen 11:00 Uhr wieder auf und verlassen das tief eingeschnittene Tal auf der gegenüberliegenden Seite. Auch hier ist die Straße sehr bemerkenswert, aber nicht mehr so extrem eng. 


Durch eine Straßensperre müssen wir nun ein wenig ausweichen und fahren über Montdardier, Le Vigan und Ganges ins Tal des Hérault. Gegen 12:30 Uhr erreichen wir Laroque und machen einen kleinen Rundgang durch das mittelalterliche Städtchen. Kurz danach sehen wir eine Hinweistafel und folgen einer kleinen Straße zum Höhleneingang der „Grotte des Demoiselles“, der sich über dem Tal an einer Felswand befindet. Die Höhle ist leider geschlossen, aber die Lage auf einer Terrasse vor der Felswand ist allein schon sehenswert und auch gärtnerisch wunderschön ausgestaltet. 
Um 14:30 Uhr fahren wir weiter nach Saint-Martin-de-Londres, wo wir einen kleinen Stadtrundgang machen. Danach geht’s über Aniane wieder auf die Autobahn und schnurstracks nach Roujan zurück, wo wir um 15:45 Uhr eintreffen. Dort betanken wir unser Fahrzeug und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein, unter anderem auch Kaminanzünder-Tabs.


Tagesleistung: 222 Kilometer


Unser Vermieter Christian hat offenbar mitbekommen, dass ich gestern kein Feuer im Kamin zustande gebracht habe. Er erscheint mit Papier und Unterzündholz und macht mit mir das Feuer an. Tolles Service! Meinen Kaminanzünder muss ich schnell verstecken…

Freitag, 16. Oktober 2015
Die Temperatur ist nochmals zurückgegangen, es hat in der Früh nur mehr 6°. Heute ist unser letzter Ausflugstag, da wollen wir nicht mehr so viele Kilometer fressen. Wir starten gegen 09:00 Uhr und fahren über Bédarieux in nordwestlicher Richtung zum Regionalen Naturpark Haut-Languedoc. Unser erster Haltepunkt um 09:45 Uhr ist Lamalou-les-Bains, ein ehemals mondäner Thermalkurort, der schon etwas in die Jahre gekommen ist.
Bei unserem kleinen Rundgang sehen wir die Kirche, die alte Badeanstalt sowie Kasino und Theater. Dann fahren wir weiter nach Mons, wo zwischen der Bergkette „Montagne de l’Espinouse“ und dem Mont Caroux die sehenswerte Schlucht „Gorges d’Héric“ liegt.  Der Aufstieg ist zwar zu lange, aber wir fahren bis zum Parkplatz am Einstieg der Schlucht, wo ich ein paar Fotos schießen kann. Dann folgen wir dem Fluss Orb und begleiten ihn bei seinem Durchbruch nach Süden.
Gegen 11:45 Uhr erreichen wir Roquebrun, ein mittelalterliches Städtchen, das wunderschön auf einem Hügel am Ufer des Orb gelegen ist und von einem Wehrturm überragt wird. Wir machen einen Rundgang durch die pittoresken Gässchen und folgen dabei immer den Schildern, die zu einem mediterranen Garten führen sollen. Erst vor der Kirche werden die Hinweise deutlicher, dass der Garten sich ganz oben am Fuße des Wehrturmes befindet. Da wollen wir dann nicht mehr hinaufklettern und uns der Gefahr aussetzen, dass gerade geschlossen ist. Stattdessen nehmen wir den Abstieg und finden unten am Flussufer das nette Restaurant "Le Petit Nice", in dem wir uns zu einem Mittagsmahl niederlassen.


Um 13:15 Uhr starten wir wieder und fahren über Cessenon-sur-Orb und Cazedarnes zur Abbaye Fontcaude. Diese liegt in eine Senke hineingeduckt, ist nur über eine winzige Straße erreichbar und von einem kleinen Weiler umgeben. Wir parken am Dorfrand und gehen die wenigen Meter zur Kirche. Jetzt sehen wir auch den Eingang für die Besucher und den Hinweis, dass erst ab 14:30 Uhr wieder geöffnet sei. Die Wartezeit von etwa 45 Minuten akzeptieren wir und machen in der Zwischenzeit einen kleinen Bummel rund ums Dorf. Dann kommt am Parkplatz Auto und Auto an und wir befürchten schon einen enormen Besucheransturm, aber es ist nur eine Pensionistengruppe, die sich zu einem Wanderausflug hier trifft. Pünktlich wird die Abbaye geöffnet. Jetzt erkennen wir erst, dass es sich dabei um eine Ruine handelt, da das Kloster in den Religionskriegen im 16. Jahrhundert niedergebrannt wurde. Erst nach und nach wurde der noch vorhandene Bestand gesichert und die ehemals viel größere Kirche durch neue Mauern verkleinert. Auch vom Kreuzgang sind nur mehr Relikte vorhanden. Trotzdem recht interessant! 
Kurz nach 15:00 Uhr starten wir wieder und machen einen letzten Halt in Murviel-lès-Bèziers, wo wir noch einen kleinen Stadtrundgang machen und uns die Kirche ansehen. Dann ist’s aber genug für heute und wir fahren zurück nach Roujan, wo wir gegen 16:30 Uhr eintreffen. An der Tür prallen wir zurück, denn heute ist schon vor unserem Eintreffen der Kamin in Aktion!


Tagesleistung: 115 Kilometer


Dann folgt der übliche Ablauf: Reste essen, einpacken, vorbereiten auf die morgige Abreise. Christian, unser Vermieter kommt mit der Endabrechnung, weil er morgen nicht zuhause ist und wir bedanken uns ganz herzlich für seine fürsorgliche Betreuung. Er entschuldigt sich für das kalte Wetter, das in dieser Gegend üblicherweise erst im Februar solche Werte annimmt.

Samstag, 17. Oktober 2015
So, heute beginnt unser letzter Urlaubsabschnitt: die Heimreise. Aber auch da wollen wir nicht stur die Kilometer abspulen, sondern in mehreren Etappen den Urlaub ausklingen lassen.  Wir verlassen Roujan um 08:20 Uhr und fahren auf der Autobahn in nördlicher Richtung über Lodève, die faszinierende Viaduktbrücke von Millau und Issoire nach Clermont-Ferrand. Hier wollen wir eine Stadtbesichtigung einschieben. Ganz auf unser Navi vertrauend, wagen wir uns in die Innenstadt und finden schließlich das Parkhaus „Vercingetorix“, das ich bei meinen Urlaubs-Recherchen ausgewählt hatte. Es liegt nahe am weitläufigen Place de Jaude und einen Katzensprung von der Kathedrale entfernt. Die unterirdische Parkgarage ist ziemlich eng und ist bei unserer Ankunft gut besucht, sodass wir 2 Ehrenrunden drehen müssen um gegen 12:15 Uhr einen freien Abstellplatz zu ergattern. Aber dann nichts wie hinaus und ab zur Kathedrale, deren Besuch sich Regina unbedingt vorgenommen hat. Alles wunderbar: wir sind in wenigen Minuten vor der Kirche, die ist aber geschlossen – Mittagspause bis 14:00 Uhr. Jetzt bleiben wir aber hartnäckig und beschließen in der Zwischenzeit im Restaurant „Bistro Venitien“ einzukehren.


Nach dem Essen haben wir nicht weit zur eindrucksvollen Kathedrale, die mit dem schwarzen Vulkangestein, aus dem sie errichtet ist, einen unglaublichen Eindruck vermittelt. Nach einer eingehenden Besichtigung machen wir noch eine Runde durch die Altstadt bevor wir um etwa 15:00 Uhr unser Auto wieder auslösen und uns durch den Stadtverkehr zur Autobahn quälen. Dann geht’s aber wieder hurtig dahin und wir sind gegen 16:30 Uhr bereits in Roanne, wo wir im Vorort Le Coteau im dortigen IBIS-Hotel reserviert haben. Das Hotel ist gut ausgestattet und nett, liegt aber in einem uninteressanten Gewerbegebiet außerhalb der Stadt. Wir beziehen unser Zimmer, steigen wieder ins Auto und fahren auf einen kurzen Rundgang nach Roanne hinein. Dort parken wir am Hafen, der das Ende des „Canal de Roanne à Digoin“ bildet. Dann drehen wir eine Runde durch die Innenstadt und fahren wieder ins Hotel zurück…


Tagesleistung: 465 Kilometer


Sonntag, 18. Oktober 2015

Am nächsten Morgen starten wir um 08:25 Uhr bei 2° Morgentemperatur. Wir folgen zunächst dem Kanal und der Loire nach Norden, passieren Paray-le-Monial und Montceau-les-Mines und gelangen schließlich bei Chalon-sur-Saône auf die Autobahn A6, die wir hinter Beaune schon wieder verlassen und über Besancon und Mulhouse nach Basel gelangen, wo wir die Schweizer Grenze überschreiten. Dann geht’s auf kleinen Straßen immer am Rhein entlang, bis wir gegen 15:30 Uhr den Rheinfall bei Schaffhausen erreichen. Da das Wetter ganz freundlich ist, versuchen wir gleich näher heranzukommen und suchen einen Parkplatz. Die sind alle gut besucht, aber am obersten Platz finden wir Unterschlupf und gehen über einen Wanderweg hinunter zum Fluss. Dort sehen wir die Wasserfälle und Touristenboote schon von weitem und beschließen gleich einmal eine Bootstour zu machen. Bei der Bootsstation angekommen sehe ich, dass es 3 verschiedene Touren gibt: einen Rundkurs, eine Überfuhr auf die andere Flussseite und die Fahrt zu einem Felsen mitten im Wasserfall, auf den man dann hinaufklettern kann und warten bis einen das Boot wieder abholt. Das Boot dorthin ist aber von lauter Koreanern besetzt, die einen mit ihren Selphystangen nerven, sodass ich die Rundtour wähle. Das Boot hat zwar gerade abgelegt, wird aber über Funk zurückgerufen und wir können die Runde sofort beginnen. Die Fahrt ist phantastisch, unser Bootsführer bringt uns in mehreren Anläufen zu den verschiedensten Stellen unterhalb des Falles und mit seiner Erlaubnis setzte ich mich sogar aufs nicht überdachte Vordeck, wohl wissend, dass mich da der Sprühregen einholen könnte. Nach der Rückkehr mit dem Boot wandern wir wieder zu unserem Auto zurück und überlegen, wie wir auf die andere Flussseite gelangen könnten, wo sich ein Schloss befindet. Aber zuerst wollen wir nun das Hotel Parkvilla finden, wo wir für die Nacht reserviert haben. Es liegt tatsächlich in einem Park oberhalb der Stadt und ohne
Navi hätte ich da nie hingefunden. 
Wenn auf dem Fahnenmast neben dem Haus nicht die Schweizerflagge aufgezogen wäre, könnte man sich angesichts des Baustils der Villa glatt in England oder Schottland wähnen. Diese stattliche, tatsächlich von einem Park umgebene Villa, wurde als Ruhesitz einer reichen Familie erbaut. In allen Räumen ist die Vergangenheit hier noch angenehm spürbar - überall warten romantische Ecken und die Zimmer sind mit historischen Möbeln liebevoll eingerichtet. Nachdem wir aus dem ersten Staunen herausgekommen sind, fragen wir nach dem Weg zu dem besagten Schloss an der anderen Seite des Wasserfalls. Wir erfahren, dass es sich um das Schloss Laufen handelt und bekommen den relativ einfachen Weg dahin erläutert. 
Kurz vor 17:00 Uhr ziehen wir wieder los und sind in wenigen Minuten bei Schloss angelangt. Dort nehmen wir ein Ticket und können so bis 18:00 Uhr die Besichtigungswege entlang des Wasserfalles erkunden. Es ist ein Wahnsinn: jeder Blickwinkel bietet andere Eindrücke, dazu kommt das Tosen des Wassers, das den Boden erbeben lässt. Geht man ganz hinunter gelangt man auf eine Aussichtsplattform, wo man das Gefühl hat mitten im Wasserfall zu stehen. Mit dem Aufzug geht’s wieder aufwärts, im Schloss gibt’s noch eine kleine Ausstellung, aber dann wird es dunkel und Zeit nach Hause zu fahren.


Tagesleistung: 548 Kilometer


Am Abend besuchen wir das Restaurant, das sich in tollen Salons befindet, der eine ist völlig mit Holz getäfelt, der andere hat Kristallluster und der Durchgang zum nächsten Raum ist von zwei mannshohen Elefantenstoßzähnen flankiert. Man kommt mit dem Schauen nicht nach, außer man guckt in die Speisekarte und überblättert da die absolut hochpreisigen Spezialitäten. Aber es gibt auch andere Angebote und wir essen gepflegt und genießen unseren letzten Urlaubsabend.

Montag, 19. Oktober 2015
Nach angenehm verbrachter Nacht gibt’s eine Frühstücksplatte mit Schinken, Wurst, Käse und Früchten aller Art, mit der wahrscheinlich 6 Personen satt geworden wären. Dann aber ist’s genug, denn wir haben heute noch einen weiten Weg vor uns. Wir fahren um 08:25 Uhr ab, es ist bedeckt bei 5°. Wir nehmen zunächst die Autobahn nach Winterthur, weiter geht es über Sankt Gallen und um 09:45 Uhr erreichen wir in Höchst österreichischen Boden, wo ich gleich einmal unser Auto betanke, denn hier sind die Spritpreise immer noch am Günstigsten. Da der Arlbergtunnel noch immer gesperrt ist und heute für LKW Schneekettenpflicht am Arlbergpass herrscht, schlage ich einen anderen Weg ein und fahre über Bregenz in Richtung München. 
Das Wetter wird zunehmend unfreundlicher, immer wieder ziehen Regenschauer durch. Ich lasse auch die Strecke von München nach  Salzburg rechts liegen und fahre weiter über Deggendorf und Passau Richtung Linz. Die Wetterwarnungen im Radio sagen für Nachmittag Starkregen voraus, der sich von Ungarn kommend nach Niederösterreich ausbreiten wird. Also fahren wir bis Haag ohne Unterbrechung durch und machen dort die erste wohlverdiente Pause zwischen 14:40 und 15:30 Uhr.
Dann mache ich mich an die letzte Teilstrecke und die hat es wirklich in sich: starker Regen, dass die höchste Scheibenwischerstufe oft überfordert ist, Lastwagen, die sich Überholungsduelle liefern und mit ihrer Wassergischt die Sicht unmöglich machen. In Sankt Pölten habe ich genug und wechsle auf die Strecke über Krems nach Wien. Dort ist das Wetter zwar nicht besser, aber weniger Verkehr unterwegs. Auf den letzten Kilometern zwischen Stockerau und Wien glaubt man den Weltuntergang nahe, da es immer dunkler wird. Um 17:30 Uhr ist es geschafft und das Auto steht daheim wieder in der Garage. Uff! 


Tagesleistung: 797 Kilometer


Resümee:
Das erhoffte Sommerfeeling hat sich leider nur stundenweise eingefunden, trotzdem hatten wir ausreichend Gelegenheit die Landschaft des Languedoc-Roussillon genauer unter die Lupe zu nehmen, Neues zu entdecken und alte Erinnerungen wieder aufzufrischen.

Hausbootfahrt:
Das Hauptproblem bei dieser Hausbootfahrt hat sich durch den Termindruck ergeben, der aus Wetterkapriolen, Streikdrohungen und technischen Problemen entstanden ist. Erst nachdem diese Probleme halbwegs im Griff waren, konnten wir die Fahrt entspannt genießen. Das Personal an der Basis war sehr freundlich und entgegenkommend und hat – außer dem Techniker – hervorragend Deutsch gesprochen. Die Weitergabe der Streikankündigung und die Kunden habe ich als sehr positiv bewertet, da die Kunden von Le Boat davon überhaupt nicht informiert wurden. Die Pénichette vom Typ 1022FB hat eigentlich nicht den Komfort gebracht, den wir aus der Beschreibung heraus erwartet hatten. Die Schlafkabine ist zwar sehr komfortabel und geräumig, das Konzept wurde aber nicht auf den Rest des Bootes umgelegt. So sind WC und Küche extrem klein geraten, während der Essplatz im Heck wieder unverhältnismäßig groß und unbequem ist. Ganz unlogisch ist die Sitzbank im Mittelschiff, da mit dem niedrigen Tischchen hier kein Mensch vernünftig sitzen kann. Die technischen Probleme mit dem Ausfall der Heizung können schon mal vorkommen und der Techniker war sehr engagiert um den Fehler zu beheben. Unangenehm war der Wassereintritt bei dem starken Regen. Ein weiteres Problem lag in der Wartung der Abwasseranlage, da die Abläufe in der Küche und im Bad nur sehr zögerlich funktionierten und danach immer Fäkalgeruch verströmten, den wir durch ständiges Zustoppeln der Abflüsse zu verhindern suchten. Das befahrene Hausbootrevier war in der Nachsaison glücklicherweise nicht so frequentiert, wie es das in der Hauptsaison wäre. Allerdings waren die Liegeplätze mitunter sehr eingeschränkt, da sie entweder schlecht zugänglich oder von Dauerliegern frequentiert waren. Sehr unangenehm aufgefallen sind uns auch die vielen fahruntüchtigen oder gesunkenen Schiffe/Boote, die allenthalben herumliegen und ebenfalls die Liegemöglichkeiten reduzieren. Sehr positiv bewertet haben wir, dass uns Le Boat problemlos in ihrer Basis übernachten ließ und Strom und Wasser kostenlos zur Verfügung stellte. Einen weiteren Problempunkt bildet das permanente Platanensterben am Canal du Midi, da durch die Abholzungen das Gesamtbild des Kanals nicht mehr dem Idealbild entsprach, das wir in Erinnerung hatten. Darüber hinaus sind durch die permanenten Arbeiten der Abholzung, Verbrennung, Wurzelentfernung und Neupflanzung die Treppelwege häufig gesperrt und für die Radbegleitung nur eingeschränkt nutzbar.

Ferienwohnung:
Die Ferienwohnung war für uns durchaus angenehm. Zwar ist sie von der Ausstattung eher als Sommerhaus zu betrachten, aber die Temperaturen waren wohl eher untypisch für die Jahreszeit und der Vermieter sehr bemüht uns mit der Kaminheizung zufrieden zu stellen. Die Lage des Innenhofes mit Pool mag für den Sommer ideal sein, da sie nach Nordwesten blickt und damit von der Hitze nicht so betroffen ist. Zu unserer Jahreszeit war am späten Nachmittag keine Sonne mehr im Hof und dementsprechend die Temperatur nicht mehr für Außenaktivitäten geeignet – vom Pool ganz zu schweigen. Mit der Ausstattung und dem Wohnkomfort der Ferienwohnung waren wir aber durchaus zufrieden.


Gesamtleistung: 4921 Kilometer (Auto) und 134 Kilometer (Boot)


Homepage