Samstag, 27. Mai 2000  
Am nächsten Morgen sieht es an Deck schrecklich aus nach dem Gewitter – das Boot ist als Platane verkleidet ! Nach der anstrengenden Säuberungsaktion können wir uns wieder erholen, denn den ganzen Tag sind nur 2 Schleusen zu erwarten. Wir passieren die Einmündung in den Verbindungskanal und machen in Argeliers Halt für eine Mittagspause. Am Nachmittag befahren wir einen interessanten Teil des Kanals: da es hier keine Schleusen gibt, windet sich der Kanal durch die hügelige Landschaft, um immer auf der gleichen Höhenlinie zu bleiben. Dies führt oft dazu, dass der Kanal höher liegt, als die umliegenden Dörfer und Felder.
Höhepunkt des Tages ist die Passage des Tunnels von Malpas. Die römischen Ausgrabungen im Oppidum d’Ensérune wollen wir zwar besichtigen, direkt beim Tunnel, von wo der Zugang am kürzesten wäre, finden wir keinen geeigneten Anlegeplatz, so fahren wir weiter und machen im Hafen von Colombiers fest. Von dort aus machen wir einen gemischten Rad- und Wanderausflug zu den Ausgrabungen, die bei unserer Ankunft (1800 Uhr) gerade geschlossen werden. Der Weg hat sich aber trotzdem gelohnt, weil der Ausblick auf das kreisrunde Feld von Montady einfach überwältigend ist.


Tagesleistung

Strecke:

Schloss Bassanel – Roubia – Argeliers - Colombiers

Fahrkilometer:

52

Schleusenkammern:

3

Fahrzeit:

0840 - 1700 Uhr

 

Sonntag, 28. Mai 2000  
Heute heißt es früh aufstehen, denn die Schleusentreppe von Fonsérannes liegt vor uns, die nur zu bestimmten Tageszeiten befahren werden kann. So sind wir also schon um etwa 0830 Uhr dort und brauchen beinahe eine ganze Stunde, um die 6 Schleusenkammern hinabzuturnen. Der daneben liegende Wasserkeil ist außer Betrieb und kann nur als "technisches Museum" bewundert werden. Wunderschön ist die Überquerung des Flusses Orb auf der Kanalbrücke mit Blick auf die eindrucksvolle Stadt-Silhouette von Béziers. Die Besichtigung von Béziers selbst heben wir uns für die Rückfahrt auf.
Zu Mittag machen wir in Villeneuve-les-Béziers unterhalb der Schleuse fest und finden in einem kleinen Lebensmittelladen, der auch am Sonntag offen hat, allerlei Brauchbares für unsere Vorratskammer. Anschließend kehren wir im Restaurant "Les Berges du Canal" ein. Dort werden wir vom Chef des Hauses aus Anlass des Muttertages (Fête des mères) zu einem Glas Cocktail eingeladen. Das überrascht uns zwar, weil wir den Muttertag schon vor unserer Abreise in Wien gefeiert haben, lassen uns den Cocktail aber trotzdem schmecken. Na ja, andere Länder – andere Sitten !

Gegen 1630 Uhr treffen wir in Agde ein. Dort liegen bereits ziemlich viele Boote und wir sind froh, im Hafen noch ein Plätzchen zu finden. Von anderen Bootsfahrern, die in Agde von Zigeunern um den Inhalt ihrer Bauchtasche gebracht wurden, sind wir schon gewarnt worden. Also brechen wir mit gemischten Gefühlen zu einer Stadtbesichtigung auf. Aber es ist Sonntag, die Stadt ziemlich ausgestorben und die Zigeuner haben offensichtlich ihren freien Tag.


Tagesleistung

Strecke:

Colombiers – Béziers - Agde

Fahrkilometer:

31

Schleusenkammern:

11

Fahrzeit:

0730 -1630 Uhr

 

Montag, 29. Mai 2000  
Heute ist es stark bewölkt und windig. Vor der Abfahrt füllen wir noch unseren Wassertank auf. Dann fahren wir in die Rundschleuse von Agde ein. Dort muss es eigenartige Strömungsverhältnisse geben, denn das Manövrieren in der Schleuse gelingt nicht so, wie gewohnt. Aber schließlich ist es geschafft und wir überqueren den Fluss Hérault. Nach der Schleuse von Bagnas schwimmen wir schon im Salzwasser. Die Landschaft ist flach und unbewachsen und der Wind spielt mit dem Steuermann. Beim Leuchtturm von Onglous verlassen wir den Canal du Midi und fahren auf dem Etang de Thau nach Marseillan. Dort legen wir im Hafen an und machen einen Stadtbummel, den wir mit einem köstlichen Mittagessen im Hafenrestaurant "Plein Sud" krönen. Nach einem Einkauf in der örtlichen Wermutfabrik brechen wir wieder auf. Die Wolken sind aufgerissen, und wir schlagen noch einen Bogen, um die Austernbänke aus der Nähe zu sehen, dann nehmen wir wieder Kurs auf den Leuchtturm von Onglous. Hier schaukelt es ganzschön, weil wir die Wellen mehr von der Seite zu spüren bekommen. Obwohl beste Sicht herrscht, lassen wir Franz mit seinem GPS-Gerät navigieren und er führt uns tatsächlich auf 10 Meter genau an unseren Zielpunkt heran. Und schließlich sind wir wieder im schützenden Kanal !
Wir fahren die schon bekannte Strecke zurück bis zum Fluss Hérault und folgen dann dem Fluss aufwärts um einen Übernachtungsplatz im Flusslauf zu suchen. Es will sich aber nichts geeignetes finden. In Bessan, dem Ende der befahrbaren Strecke, gibt es einen betonierten Anlegeplatz, der aber mit großen spitzen Steinblöcken flach ins Wasser mündet, auf denen das Boot aufzusitzen droht. Also kehren wir wieder um, fahren durch die Schutzschleuse "de Prades" wieder in den Kanal ein und finden endlich gegen 1900 Uhr ein Plätzchen für die Nacht in grüner Natur bei Kilometer 234,5.


Tagesleistung

Strecke:

Agde – Etang de Thau – Marseillan – Bessan (Hérault) - Prades

Fahrkilometer:

29

Schleusenkammern:

3

Fahrzeit:

0930 - 1900 Uhr

 

Dienstag, 30. Mai 2000  
Der heutige Tag empfängt uns mit Kaiserwetter. Nach Passage der Rundschleuse von Agde kommen wir wieder zu einem ungeschützten und daher sehr windigen Abschnitt des Kanals. Wir sind daher sehr froh, einen Zwischenhalt im Hafen von Cassafières einlegen zu können. Von dort machen wir einen Radausflug zu dem nur 2 Kilometer entfernten Mittelmeerstrand. Nach dem Mittagessen an Bord tanken wir noch unseren Wasservorrat auf, dann machen wir uns wieder auf den Weg. Béziers, unser heutiges Tagesziel ist zwar gegen 1600 Uhr schon erreicht, aber wir wollen gleich im Wartebereich der Schleusentreppe von Fonsérannes übernachten, um uns das Anstellen am nächsten Tag zu ersparen. Bei der Schleuse "Orb" müssen wir feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, die Hubhöhe von 6,40 Meter mit einem Seilwurf zu überwinden. Aber der Schleusenwärter ist offensichtlich Kummer gewöhnt, denn er wirft uns ein schon befestigtes Seil von oben zu – super Service !
Als wir uns der Schleusentreppe nähern, sehen wir, dass die Nachmittagsschleusung noch nicht beendet ist. Wir fahren also an den Wartenden vorbei, die uns nicht glauben wollen, dass wir gar nicht hinaufschleusen wollen und uns in allen Sprachen beschimpfen. Wir machen an der linken Kanalseite unterhalb des Wasserkeils fest und brechen zum Landgang auf.
Die Orientierung in Béziers ist ohne Stadtplan nicht ganz einfach. Tausend Dinge stellen sich einem in den Weg: Fluss, Eisenbahn, steile Berghänge, winkelige Gassen. Als wir schließlich bei der Kathedrale erschöpft ankommen, ist diese bereits geschlossen, aber der Ausblick ist wunderbar.
Nach Rückkehr an Bord verlegen wir unseren Liegeplatz noch rasch auf die andere Kanalseite und sind so für den nächsten Tag bereits in Warteposition.


Tagesleistung

Strecke:

Agde – Port Cassafieres – Béziers - Fonsérannes

Fahrkilometer:

27

Schleusenkammern:

6

Fahrzeit:

0830 - 1715 Uhr

 

Mittwoch, 31. Mai 2000  
Heute Früh haben wir ausreichend Zeit zum Trödeln, weil die Aufwärts-Schleusung in Fonsérannes erst um 1000 Uhr beginnt. Dann geht’s aber los und das Überwinden der Schleusentreppe ist, wie auch schon auf der Hinfahrt, ein wunderbares Erlebnis. In Colombiers legen wir einen Mittagshalt ein und benützen den im Hafen gelegenen Supermarkt für eine letzte Einkaufstour. Vor der engen und unübersichtlichen Zufahrt zum Tunnel von Malpas erinnert eine Signaltafel daran, sich mit dem Nebelhorn bemerkbar zu machen, was wir auch artig tun. Aber kaum hat der Schall das Horn verlassen, bekommen wir auch schon Antwort – nah und laut ! Und in der nächsten Sekunde biegt auch schon ein großes Ausflugsschiff um die Kurve. Nur ein Ausritt in die Botanik der Uferbüsche rettet uns vor einer Kollision ! Die oft beschriebene Ampelregelung ist hier nur ein Wunschtraum. Im zweiten Anlauf klappt es dann endlich, wir passieren den Tunnel und fahren bis Poilhès weiter, wo wir gegen Gebühr Wasser tanken.
Gegen 1830 Uhr machen wir in Argeliers fest, wo wir dem Restaurant "Zur fischenden Katze" (Le Chat qui pêche) einen Besuch abzustatten. Wir fühlen uns dort sehr wohl, die Lage am Kanal ist prächtig, die Bedienung freundlich und das Essen ausgezeichnet. Und obwohl wir im Freien sitzen: die Innenausstattung des Restaurants ist entzückend und sollte man sich unbedingt anschauen.


Tagesleistung

Strecke:

Fonsérannes – Colombiers - Argeliers

Fahrkilometer:

62

Schleusenkammern:

6

Fahrzeit:

1000 - 1730 Uhr

 

Donnerstag, 1. Juni 2000  
Heute können wir es gemütlicher angehen, denn unsere Tagesetappe ist nicht lang. Wir verabschieden uns vom Canal du Midi und biegen in den Canal de Jonction ein, der uns gleich mit einer Serie von Selbstbedienungsschleusen empfängt. Viele Bootfahrer haben mit diesen Schleusen Probleme und glauben, wenn ein entgegenkommendes Boot die Schleuse verlassen hat, gleich einfahren zu können. Aber da ist der Automat beinhart und sperrt ihnen vor der Nase das Tor wieder zu, wenn sie sich nicht mit dem Geheimcode vorher angemeldet haben. Auch Mittagspause halten die automatischen Schleusenwärter, ganz gleich, wie ihre menschlichen Kollegen. 
Nach der Querung der Aude halten wir Siesta, denn es ist endlich einmal windstill und die Sonne treibt das Quecksilber über 30 Grad. Erst gegen 1700 Uhr fahren wir in Narbonne ein und machen am Kanalufer vor der Connoisseur-Basis fest. Dann geht es ab, zur Stadtbesichtigung: die riesige Kathedrale beeindruckt uns tief - als wir aber auf den Platz vor dem Bischofssitz einbiegen, holt uns die Realität wieder ein: bayerische Wochen in Narbonne. Die "Wiesen"-Stimmung mit Weißwurst, Bier und Blasmusik halten wir nicht aus und fliehen entsetzt in andere Stadtviertel. Zur Ehrenrettung der Bayern sei aber gesagt: am Rückweg haben wir einer Gruppe mit mittelalterlichen Tänzen zugeschaut, die schon sehr viel besser in das Ambiente gepasst hat.


Tagesleistung

Strecke:

Argeliers – Sallèles d’Aude - Narbonne

Fahrkilometer:

19

Schleusenkammern:

9

Fahrzeit:

1015 - 1700 Uhr

 

Freitag, 2. Juni 2000  
Den letzten Tag wollen wir dazu nützen, den Canal de la Robine Richtung Meer zu erkunden. Als erster Tagesordnungspunkt steht die Durchquerung von Narbonne auf dem Programm. Der Blick vom Kanal mit seinen wunderbar ausgebauten Uferpromenaden auf das blumengeschmückte Narbonne eröffnet eine Vielzahl von lohnenden Fotomotiven. Dann allerdings wird die Landschaft sehr flach und man fährt schließlich zwischen 2 Dämmen, die den Kanal einschließen, durch riesige Salzwasserflächen dahin. Da uns die schon in der Ferne auftauchende Hafenstadt Port-la-Nouvelle mit seinen großen Industrieanlagen nicht sonderlich reizt, kehren wir bei der Ferme Ste. Lucie, wo ein grüner Hügel das von der Ebene ermüdete Auge erfreut, wieder um und fahren nach Narbonne zurück.
Nach einem zaghaften Versuch, unsere Besitztümer für die morgige Reise wieder in die dafür vorgesehenen Behältnisse zu verstauen, geben wir auf und zelebrieren das Abschiedsessen im Restaurant "Le Bistro" . Elisabeth, die experimentierfreudige, versucht sich an einem Gericht, das mein Wörterbuch nicht übersetzen kann. Es handelt sich schließlich um Meeresschnecken, die hier kalt serviert werden.


Tagesleistung

Strecke:

Narbonne – Ferme Ste. Lucie (Richtung Port La Nouvelle) - Narbonne

Fahrkilometer:

32

Schleusenkammern:

4

Fahrzeit:

0900 - 1700 Uhr

 


Hier
enden die Eintragungen unseres Bordbuches ....

Die Rückgabe am nächsten Morgen erfolgte rasch und problemlos. Unsere Heimreise führte uns entlang der Côte d’Azur, wo wir noch 2 Tage in Cannes verbrachten. Von dort fuhren wir über das Tessin Richtung Heimat, blieben aber noch ein paar Tage am Lago Maggiore. Dann war es aber endgültig aus mit dem Herumzigeunern, denn die Pflicht rief ....


Gesamtleistung

Urlaubsdauer gesamt

24 Tage

davon an Bord 14 Tage
davon Rahmenprogramm 10 Tage

PKW-Kilometer

3706

Bootskilometer

417

Schleusenkammern 112
 
Schlussbetrachtung
Alles in allem gesehen, war es ein sehr schöner Urlaub, bei dem sicher das während der ganzen Zeit herrschende Kaiserwetter einen entscheidenden Anteil hatte. Wäre nicht der Unfall mit Schulterluxation passiert, könnte man fast von einem "idealen" Urlaub sprechen, aber selbst das ist ja zum Glück glimpflich abgelaufen. Die Atmosphäre am Canal du Midi in der Vorsaison war sehr angenehm und beschaulich. Auch die Franzosen waren – trotz der herrschenden EU-Sanktionen - äußerst nett und hilfsbereit. Das Boot und die Betreuung in der Bootsbasis wurde von allen Mitreisenden als hervorragend eingestuft.

Der Hausbootvirus hat uns jedenfalls weiter fest im Griff und wir werden sicher nicht das letzte Mal Frankreichs Bootsreviere unsicher gemacht haben !

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